Vom Tiefgang einer Hängelampe

Vorab: Auf Insta läuft derzeit eine Interieur-Challenge. Dieser Text enstand aufgrund der Frage, ob ich ein bestimmtes Bild poste oder eher nicht.


Bei mir hängt so Einiges. Also im Haus. Wo denn sonst … ? Trotzdem habe ich eine Weile überlegt, was ich Euch denn heute zeige. Während meiner Überlegungen wanderten meine Gedanken immer wieder zu dieser Lampe.

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Und jedes Mal habe ich den Gedanken verworfen. Es gibt auf Insta Dinge, die begegnen mir als Dauerschleife. So da wären ein hängender Holzaffe, Stühle mit metallverstrebten Beinen, geriffelte Vasen, Monsteras, ein gerahmtes Supermodel mit Fingerschnauzbart … Kerzenständer, Pflanzkästen … und eben auch die Lampe (die anfangs für mich ein totales NoGo war).

Gestern erst habe ich im Rahmen dieser Challenge darüber gelesen, dass Insta zum Einheitsbrei mutiert. Die Accounts würden sich zu sehr ähneln, überall wären die gleichen Dinge zu sehen …
Ganz offensichtlich ist etwas in mir auf diesen Text angesprungen, wenn ich tatsächlich darüber nachdenke, ob ich das, was ich zeigen möchte, auch zeigen darf. Und immer, wenn ich anfange zu sinnieren, ob ich etwas darf, steht der Rebell in mir Gewehr bei Fuß. Gut so. Die grundlegende Frage ist doch nicht, WAS ich auf Insta sehe, sondern WARUM ich überhaupt hier bin? Anfangs wollte ich nur ‚Bilder gucken‘. Ich liebe Interieur-Zeitschriften, aber im Gegensatz zu ihnen gibt es hier täglich neue Bilder und die auch noch gratis. Und – ICH bin Redakteur, ich kann die Styles aussuchen, die mich ansprechen. Es war dann ziemlich schnell klar, dass ich in diesem bunten Bilderzirkus unbedingt mitmischen will. Nehmen und GEBEN.

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Und machen wir uns nix vor: Es geht um Likes und Follower. Sicherlich nicht in erster Linie, zumindest bei den meisten, denke ich. Aber sie als Nebensächlichkeit abzutun, glaube ich niemandem. Ich meine, davon lebt ein Account. Mehr oder weniger. Wer von uns wäre denn noch hier, wenn er überhaupt nicht gesehen würde? Likes und Follower sind unsere Bestätigung, unsere Wertschätzung. Und … unser Maßstab. Ein einziges Quadrat verrät mir eine ganze Menge über Euch, allein wenn ich auf die Herzchen und Kommentare schaue. Und über mich, wenn ich auf meine diesbezüglichen Gedanken achte. Vorgestern zum Beispiel.

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Innert 24 Stunden hatte ich (für dieses Bild) über einhundert Likes. Da mag jetzt manch einer müde lächeln. Aber hej – ICH hatte das noch nie. Dann die lieben Kommentare dazu. Und wisst Ihr, was ich dachte? ‚Küchenbilder. Ich poste nur noch Küchenbilder. Die finden sie toll!‘ Natürlich war das ein Scherz. Aber – in jedem Gedanken steckt ein Fünkchen Wahrheit. WAS MACHT INSTA MIT MIR? Besser noch: Was lasse ich Insta, also Euch, mit mir machen? Ich bin doch hier, um mich inspirieren zu lassen, mich mit Euch auszutauschen, Spaß zu haben. Aber nicht, um mich von Likes und Kommentaren einengen und bestimmen zu lassen. Das geht so schnell, so still und heimlich – ich hätte es beinahe gar nicht bemerkt.

Und ja, ich kann mir vorstellen, dass es Menschen gibt, die mit Insta finanzielle Interessen verfolgen und ihren Account dementsprechend führen. Wo lernt man dafür am schnellsten? Bei den Erfolgreichen. Was gibt die meisten Follower? Dieser Sessel, dieses Bild, diese Vase. Gekauft. (nicht ich …)
Ich schaue zwischendurch immer mal wieder gerne bei den großen Accounts auf ihren Anfang. Ist ein bisschen mühsam, dafür sehr interessant. Selbst der Beste hat nämlich klein angefangen. Wissen wir alle. (Und vergessen wir gerne.) Die Wenigsten haben von Beginn an eine klare Linie. Ist ja auch unwichtig, wenn es um den Spaß an der Sache geht. Der eigene Stil entwickelt sich automatisch. Wir lernen durchs (Zu)Sehen und Nachmachen. That’s life. Weil, was passiert, wenn ich meine Aufmerksamkeit immer wieder auf bestimmte Dinge richte?

Ich kannte mal eine Frau und einen Mann, die sich auf Teufelkommraus nicht leiden konnten. Aufgrund bestimmter Umstände konnten sie sich nicht aus dem Weg gehen. Aber sie konnten wählen, worauf sie ihre Aufmerksamkeit legten: Den anderen zu hassen und sich damit den Tag zu vermiesen oder miteinander auszukommen und eine gute Zeit zu haben. Wie sie sich entschieden haben? Nun – sie sind seit vielen Jahren miteinander verheiratet.

Das ist der dritte Aspekt, durch den ich lerne – Selbstreflexion.
Insta ist, wie alles im Leben, ein Lernprogramm. Sehen – reflektieren – (nach)machen. Die Reihenfolge ist änderbar.

Ich liebe Einrichten und Dekorieren.

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Hier habe ich eine Menge darüber gelernt. Wem bin anfangs gefolgt? Den ‚Großen‘. Warum? Die waren erfolgreich, also hatten sie offensichtlich Ahnung. Wem folge ich heute? Hauptsächlich ‚Kleinen‘. Wegen mehr Individualität und noch stattfindender Kommunikation. Genau die liebe ich. Und genau die bekommen die Großen kaum noch geregelt. Das ist übrigens auch mein Zwiespalt. Ich freue mich über jeden neuen Follower – ich sorge mich wegen jedes neuen Followers. Könnte nämlich ein kommentarfreudiger Verfolger sein. Und ich schaffe mitunter jetzt schon tagelang nicht den Spagat zwischen Liken, Kommentieren, Beantworten und Posten. Davon abgesehen gibt es ja auch noch die Welt außerhalb Instas. Was so irgendwie nicht (mehr) stimmt. Die Grenzen verschwimmen. Der Einfluss der virtuellen Bilderwelt auf meine reale Welt … und umgekehrt … lässt sich nicht leugnen. Er ist inzwischen sogar unverkennbar. Seit Insta hat sich mein Einrichtungsstil komplett verändert. ICH habe mich verändert. … Hat Insta mich verändert? Ja und nein. Also nicht nur. Ich war bereit zur Veränderung. Insta kam genau zur richtigen Zeit, um mich darin zu unterstützen.

Unser Haus ist Teil meines Lebens und als solcher ein Spiegel meines Selbst. Wie innen so außen. Meines auf Perfektion getrimmten Selbst.
Diese besagte Lampe ist nicht einfach nur eine Lampe. Sie steht für mich als ein Berggipfel, den ich viele Jahre lang Schritt für Schritt sehr mühsam erklommen habe. Sie ist für mich perfekt-UNperfekt. Hängt groß und unübersehbar dort, wo sie mich jeden Tag erinnert: ICH BIN perfekt. Schon immer gewesen. Ich habe nur immer gedacht, ich müsse (noch) perfekt(er) werden. Glaube nicht alles, was du denkst. Denn darum geht es nicht. Und jetzt, da mir das klar ist, kann ich meine Aufmerksamkeit endlich auf das lenken, WORUM es geht: Die beste Version meiner Selbst zu sein. Und diese Version liebt diese perfekte-unperfekte Lampe. Welches #hanging * wäre also … perfekter geeignet als sie?

Insta ist das, was ich daraus mache. Für manche mag es Einheitsbrei sein. Für mich ist es ein wundervoller Lehrmeister. Und Ihr seid Teil davon. DANKE dafür!

🖤  🖤 🖤

P.S. Eine Dauerschleife ist nichts anderes als die Wiederholung der Wiederholung der Wiederholung – ein Mantra. Richtig angewandt kann es Großartiges bewirken.

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* zum Tag gehörender Themen-Hashtag der Challenge

6 Gedanken zu “Vom Tiefgang einer Hängelampe

  1. Wiebi Peters schreibt:

    Ich kann mich noch ganz genau an den ersten Gedanken erinnern, den ich hatte als ich die Lampe gesehen habe. Diese Lampe. Die hängt schief. Die ist schief. Die hängt in Mamas Küche. Was zur … ?! 🤣
    Ich war seeeeeeehr überrascht! Bin ich übrigens immer noch. Nicht nur über die Lampe, sondern auch über die ein oder andere Deko und sonstige Details im Haus. Aber ich find’s cool! ❤

    Die Tochter.😘

    Gefällt 1 Person

  2. sarahricchizzi schreibt:

    Liebe Britta,
    was für ein großartig geschriebener Beitrag. Ich kann nur immer wieder betonen, wie sehr ich deinen Schreibstil mag. Man verliert sich schnell in deinen Worten.
    Das Bild ist mir auf Instagram auf deinem Account direkt aufgefallen, allen voran, da wir für unsere Wohnung gerade selbst Lampen gesucht hatten und deine sieht wirklich schick aus! Überhaupt, angesichts all der Fotos hier, hast du wirklich einen vortrefflichen Einrichtungsstil – und deine Küche ist nicht umsonst so beliebt: Sie sieht großartig aus!
    Dein Text stimmt nachdenklich und ich kann verstehen, wie er dich zu diesen Gedankengängen gebracht hat. Tatsächlich beeinflusst uns Social Media, doch es muss nicht unbedingt immer etwas Schlechtes sein. Wichtig ist, sich selbst nicht zu verlieren und zu wissen, was man verändern möchte und wie du so schön sagtest: Du warst bereit für Veränderung. Und dann spürt man auch, welcher Weg der richtige ist. Und sei es zunächst nur durch Bildern motiviert.

    Das mit den großen Accounts kann ich gut nachfühlen. Man folgt ihnen, weil ihre Fotos großartig sind, aber irgendwann reagiert man nur noch bei Bildern, bei denen man selbst auch eine Reaktion zurückbekommt. Dieser Austausch ist einfach wunderbar!

    Alles Liebe,
    deine Sarah

    Gefällt 1 Person

    • Barfuß unterm Regenbogen schreibt:

      Moin Birdie,

      da wäre mir Dein lieber Kommentar beinahe untergegangen. Ich muss da mal ein Wörtchen mit WordPress reden. Die informieren nur nach Lust und Laune, wie es scheint …

      Danke für Deine Anerkennung. 😘
      Vortrefflicher Einrichtungsstil. Haaaa. Ich musste das jetzt noch mal wiederholen. So vornehme Worte! 🤩🤩😂 Ich weiß nicht, ob Du seinerzeit die Insta-Story-Bilder vergangener Tage gesehen hast. Mir stehen die Haare ja stramm zu Berge, wenn ich sie vor die Augen kriege. Unfassbar – aus heutiger Sicht – was damals modern war. Immerhin konnte ich einige Follower sehr erheitern. 😅
      Ist Eure Wohnung inzwischen komplett? Alles dran, alles drin? Ich muss schon sagen, so kurz vor der Uni hast Du es Dir mit dem Umzug ja noch mal richtig gegeben. 🤭
      Ich hab übrigens Deine Leselaune am Sonntag vermißt. Die ist bestimmt dem Lernen zum Opfer gefallen? Wobei – ich sollte da mal nicht zu laut tönen, ich hab schon ewig keinen Wochenrückblick mehr geschrieben. Wird mal wieder Zeit. Ich könnte ja schon mal anfangen. Vielleicht wird es dann was bis Sonntag. 😅😂

      Hab einen schönen Tag. Und an die Süßigkeiten für heute Abend denken … 🥕🥦🌶
      Liebste Grüße
      Britta

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