Zweiter Dezember

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Einer der wichtigsten Bestandteile der Adventszeit ist zweifelsohne der Adventskalender. Eine wirklich feine Sache – wenn er denn fertig ist… Jahrelang stellte sich mir die gleiche Frage und damit Herausforderung: kaufen oder selber machen? Der Gekaufte hat den Vorteil, dass die Sache schnell erledigt und an die Wand gehängt ist. Nachteil: die Schoki ist nicht besonders lecker und die Motive an sich immer gleich. Der Selbstgemachte wiederum bietet jeden Tag eine echte Überraschung die meinen Ansprüchen als Mutter genügt(e), braucht allerdings in der Herstellung doch immer wieder ’ne Menge Zeit und Kreativität. Auf der ewig wiederkehrenden Suche nach neuen Ideen fand ich übrigens heraus, dass die Frage nach dem geeigneten Adventskalender nicht nur mich alleine bewegt. Ganze Netzwerke beschäftigen sich ausführlich und höchst ernsthaft mit diesem Thema …

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Als die Nachkommenschaft noch kleiner jünger war und vollzählig unser Haus bevölkerte, gab es also Kalender Marke Eigenbau, bestückt mit kleinen Leckereien, deren Überraschung darin bestand, dass es solche Süßigkeiten gab, die unter’m Jahr eher sehr selten Zutritt in unseren Einkaufskorb erhielten. Und so saßen unsere Drei dann alljährlich vierundzwanzig Morgende lang  selig genießend am Frühstückstisch. Bis ich eines schönen Tages  – es war der 2. Dezember 2008, anwesend: Göttergatte und Söhne, die Lieblingstochter weilte in Spanien  – süffisant in die Runde fragte: Wo ist eigentlich MEIN Weihnachtskalender? – Oooooooooooh. Böse Falle. Drei Augenpaare schauten mich ziemlich konsterniert an: Weihnachtskalender – Mama??? Urplötzlich schien ihnen ein Licht aufzugehen. Welchem allerdings von unmittelbarer Entrüstung in dreifacher, aber ziemlich  offensichtlich gedanklich gleicher, Ausführung wieder der Garaus gemacht wurde: Wie kommt sie denn ausgerechnet JETZT darauf? Es folgten eine sachliche Feststellung Du hattest doch noch nie einen. Na so was?! und die etwas provokative Frage, weshalb ich das nicht schon am 1. Dezember bemängelt hätte…? Aber echt mal. Wie konnte ich nur? Ich habe meiner geliebten Family daraufhin erklärt, dass, nur weil ich noch nie einen hatte, nicht heißt, dass ich nicht gerne einen hätte. Schließlich bekämen sie den ihren auch ohne jährliche Aufforderung. Warum eigentlich? Und dem Göttergatten verschlug es dann zum zweiten Mal an diesem Morgen die Sprache, als ich doch tatsächlich erwähnte, dass er nicht nur einen Kalender zu Hause, sondern sogar einen extra für ihn angefertigten zweiten im Geschäft hätte. Diese unumstößliche Tatsche sorgte erst für kurzfristige männliche Betretenheit, dann aber konnte ich die Geistesfunken in Dreieinigkeit förmlich sprühen sehen. Woraufhin ich mich entspannt zurücklehnte: Da bin ich aber mal gespannt.

Einen Tag ! Männer sind vergesslich und etliche Stunden später, nachdem der Göttergatte die heimischen Gefilde wieder betreten hatte … eifriges Getuschel im Männerreigen:
André, hast Du den Adventskalender?
Ne, es gab keinen mehr. Wer hätte das gedacht?
Aber es ist doch erst der dritte…
Ja eben, es ist SCHON der 3.!
Aber im Aldi und Lidl gibt’s bestimmt noch welche. Wie lecker… und darüber hinaus wurde meine Wertigkeit mal eben auf 99 Cent reduziert – Liebe Güte!
Es sei aber gesagt, dass der Göttergatte an dieser Stelle ein Einsehen mit unseren sichtlich nervöser werdenden Kids hatte und mit einem lausbuben-siegessicheren Lächeln einen Adventskalender EXTRA für die Mama hervorzauberte: groß, mit Nostalgie-Motiv und für mich unwiderstehlichem Inhalt: Lübecker Marzipan. Er war ein bisschen verbeult so hier und da – es war halt tatsächlich der Allerletzte…

Einige Jahre später – 2012 – trudelte Ende November unverhoffterweise ein Paket aus Spanien bei mir ein. Mit einem Adventskalender-DIY von der Lieblingstochter, ganz allein für mich. Eine wirklich besondere Überraschung. Und die einzige dieser Art. Bis heute.

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Und der Göttergatte? Seit die Nachkommenschaft ihre Außenposten bezogen hat, genießt sie immer Ende November einen Adventskalender-Bring-Service.

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Dieser Termin ist quasi des Göttergatten persönliche Erinnerung an meinen Adventskalender. Ein gekaufter. Alle Jahre wieder. Aber immerhin. … Oder auch nicht. Steht doch der Göttergatte vorgestern … nachdem er schon mehrmals blindlings an ihr vorbeimarschiert ist – ich hab’s beobachtet … plötzlich völlig konsterniert vor der Flur-Deko ↓

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Sprachlos. Ich habe die Hirnfunken sprühen sehen. Und seine Synapsen nach Worten ringen. Und ihn selbst nach Fassung. Es dauerte eine Weile …
Fakt ist: Es gibt dieses Jahr keinen Kalender für mich. Zumindest keinen herkömmlichen. Gestern morgen kam der Göttergatte dann etwas kleinlaut daher. Ich backe heute einen Kuchen für dich. Oho. Er hat erst einmal in seinem Leben gebacken. Vor Jahren, ein Muttertags-Törtchen für seine Mutter. Mit mir als Aufsicht Unterstützung.  Sein zweiter Versuch sollte nun also mir gelten. Sein schlechtes Gewissen muss wirklich riesig gewesen sein. Und ich kann sagen, das Ergebnis ist nicht nur optisch gelungen, es war auch essbar hat richtig gut geschmeckt. Ich hab auch nur ein klitzekleines bisschen helfend dazwischengefunkt.

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Der Göttergatte war sichtlich stolz. Zu Recht. Denn das war ein wirklich außergewöhnliches Kalendertürchen.  Und soll ich Euch was verraten? Ich bin gespannt, was er sich für heute überlegt hat …

 

Ich wünsche uns allen einen gemütlichen

Ersten Advent.

 

 

Britta

 

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