Achter Dezember

Morgenb1

Nun hatte gestern besagte Online-Wunschliste zwar allerlei nette und kaufoptimierende unterstützende Funktionen, allein es mangelt an der Erinnerung zum Kauf! Aus einem mir nicht schlüssigen Grund hatte ich seinerzeit das Nachkommenschaft-Geschenke-Thema mit Fertigstellung ihrer Wunschlisten ad acta gelegt.

Nachdem diverse Gaben für einen Teil der buckligen lieben Verwandtschaft bereits eingetrudelt waren, begann Phase Eins der Verpackungsorgie. Ich stapelte Bänder, Geschenkpapierrollen, Tüten und Kärtchen auf den Küchentisch,  kramte die Geschenke aus diversen kindersicheren Verstecken … KINDER! … GESCHENKE! Schockschwere Not! In Windeseile saß ich vor meinem Rechner, raste durch’s Internet, um diesen unglaublichen Missstand zu beheben. Ein Klick hier und einer da – hach, was ging das wunderbar.

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Wenige Stunden später, ich hatte mich kaum von meinem morgendlichen Schrecken erholt, morste die Lieblingstochter aus Spanien per ICQ: Mama, sind die Geschenke für die Jungs schon da? Plopp – stieg eine Erinnerung aus den Tiefen meiner gedanklichen To-do-Liste: Geschenke für die Brüder besorgen. Nur der dreiseitigen Belehnung meines Stuhls verdankte ich, dass ich in selbigem hocken blieb. Ich überlegte kurz, ob ich den ganz alltäglichen Wahnsinn oder Alzheimer dafür verantwortlich machen sollte. Allerdings galt in unseren heiligen Hallen bereits seit Jahren der Slogan: Die Welt ist ein Irrenhaus und hier ist die Zentrale. Und ich war ihr Vorstand! Über fast jeden Wahnsinn erhaben. DAS wusste die Lieblingstochter, schließlich hatte sie das höchstselbst jahrelang geprüft. Und Alzheimer nahm sie mir so knapp unter 40 vermutlich auch nicht wirklich ab. Nun denn, mir blieb der Weg der Wahrheit: Nein Kind, vergessen! Zackig, knackig, keine Beschönigungen. Und Oh Wunder! Kein Ohnmachtsanfall auf der anderen Seite des Chats. Mir schien, das Tochterkind war auf meine Antwort vorbereitet. Wieso nur? Ich versprach, mich umgehend um Erledigung zu kümmern. Ran an den Rechner, einmal quer durch’s Internet. Ein Klick hier und einer da – hach, was ging das wunderbar.

Blieb nun noch, mich der Auswertung des verwandtschaftlichen Mailverkehrs zwecks großfamiliärer Bescherung am zweiten Weihnachtsfeiertag zu widmen. Die Mails versprachen eine heiße Endphase bis direkt an Heiligabend, wie ich nach und nach herausfand. Die Nichte wünschte sich Playmobil. Im Anhang des Wunsches befand sich ein Preishinweis eines örtlichen Discounters. Das kann das Internet doch sicher besser. Also fix zum Rechner, geschwind in die Tasten gehauen. Ein Klick hier und einer da – hach … was ist das teuer im Internet! Ich googelte kreuz und quer, aber selbst der Shop mit dem niedrigsten Preis machte selbigen durch astronomische Versandkosten zunichte. Ich ahnte Schlimmes: Ich muss in die Stadt, ins Kaufhaus – mit Jacke, Schal und Handschuhen! … Kurze Sammlungsphase – keine Zeit für Sensibilitäten. Weihnachten hockte quasi schon vor der Tür. Also weiter im Text. Der Nichte Mutter Wunsch war dran. Votivkerzen. Aha. Von PartyLite. Oooho! Viel Geld – kleine Kerze. Noch dazu kannte ich nicht eine Beraterin, bei der ich hätte ordern können. Also, wie gehabt, ich lief zur Höchstform auf: Ein Klick hier und … und jeder Link führte zu Ebay! Wie nett! Ich schmiß meine ganze damalige Begeisterung für diese Plattform in die Wagschale und surfte los. Etliche Nerven und noch mehr Euros weniger bekam dieser Wunsch ein Häkchen. Der nächste bitte. Schwägerin Nummer zwei wünschte Socken für sich und ihren Gatten. What?! So was führte ich nicht in meinem umfangreichen Geschenkesortiment. Ich war und bin stets darauf bedacht, jeden Wunsch zu erfüllen, aber es gibt die berühmte Ausnahme. Und die beinhaltet(e) Socken und Krawatten. Hatte ich noch nie verschenkt, würde ich nie verschenken. ◊

cof

Okay … kurzer Zwischenruf wegen Wahrheitsgehalt:
Inzwischen gibt es die absolut begründete Ausnahme von der Ausnahme. Einige Mitglieder der Nachkommenschaft sind, was Kleinst-Bekleidung anbelangt, sehr ökologisch und sparsam unterwegs. Manche Leute würden es auch einkaufsfaul nennen. Alles, was nicht von selbst vom Manne fällt bröselt, erfüllt seinen mehr oder weniger bedeckenden Zweck. Diverse mütterliche Ansprachen an die Löchrigkeit fielen hindurch. Sieht doch keiner. Ja ich schon. Und es gibt Zustände, die führen zu Zuständen. Bei mir. Jeder Gelassenheit zum Trotz. Geht so gar nicht. Und so fanden betroffene Ableger im letztjährigen Adventskalender nebst der Schoki aller zwei Tage Tüten niegelnagelneue Socken. Und in den anderen Unterbuxen. Zustand behoben.

cof

◊ Teilte ich der Guten auch unumwunden mit. Sie trug’s mit Fassung, und absolut problemlos wartete sie mit einem neuen Wunsch auf. Eine CD sollte es ein. Von Schiller und Lang Lang. Okay, Ersterer kam mir halbwegs bekannt vor. Aber wer oder was war Lang Lang? Ein Klick hier … Youtube sei Dank fand ich schnell das Gewünschte. Uuunwesentlich länger dauerte der Download des anvisierten Stückes dank unserer hypermodernen und ultraschnellen ISDN-Leitung. Schließlich konnte ich den Song tatsächlich hören. Ich hatte zwar nur Standbild, aber immerhin. Und so lauschte ich andächtig der Töne, die da aus dem Netz erschallten, langsam unruhig werdend: Wann fangen die an zu singen? Lied zu Ende, kein Gesang. Die haben am Text gespart! Klang trotzdem gut, wollte ich kaufen. Klick … Vorbestellung möglich! Ja wie? Oh nö: Jacke, Schal und Handschuhe …
Der Gatte zu CD-wünschender Schwägerin erbat Gutscheine. Der gute Mann ging seinerzeit wöchentlich zum Mumienschwimmen. Jep. Ich mußte zweimal lesen, aber so stand’s in der Mail geschrieben. In Klammern hinzugefügt: Mineralsolebad. Ich war ja kurz geneigt nachzufragen Bezieht sich die Mumie auf das Alter der Teilnehmer oder auf den im Wasser beinhalteten Konservierungsstoff?, aber die Gefahr des Fettnapfes erschien mir irgendwie doch zu groß.  Das Beste an diesem Wunsch: Kein Klick war möglich nötig. Und auch keine Frostschutzmontur. Aufgrund der ungünstigen Entfernung zum Solebad besorgte die Schwägerin die Gutscheine höchstselbst. Wie bequem war das denn?!

Blieben noch die „restlichen“ Verwandten nebst Göttergatte – allesamt Abonnenten meines damaligen Mail-Adventskalenders, weswegen an dieser Stelle das öffentlich zugängliche Protokoll hinsichtlich weihnachtlicher Schweigepflicht endete.

Nur soviel sei noch verraten: Heilig Abend kam. Das WWW hatte seine Schuldigkeit getan. Ich hatte das Winter-Shopping-wohin-mit-der-Jacke-Prozedere leidlich überstanden. An diesen Zeilen zu erkennen, falls Zweifel aufkamen. Die Geschenke waren auf den allerletzten Drücker rechtzeitig da, die (Groß)Familie glücklich, ich feddich auch – Fröhliche Weihnachten!

Für heute läuten wir erst einmal das zweite Advent-Wochenende ein. Ich wünsche Euch zwei traumhafte Vorweihnachtstage mit Plätzchenkrümeln, Zimtkerzenduft, klebrigen Kandis-Apfel-Schmatzern … wahlweise auch Glühwein-Küssen, Weihnachtsmarkt-Bratwürsten und natürlich Weihnachtsmusik, laut singend mit all Euren Lieben:

You make it feel like Christmas

In diesem Sinne

Britta

 

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