Zehnter Dezember

Morgenb1

Vor einigen Tagen habe ich – in Erwähnung eines Vogels namens Alfons … nein, nicht der Nachbar … kurz die vorweihnachtliche Begegnung mit der Lieblingsnachbarin, ihreszeichens Gattin von Alfons … ja, der Nachbar … versprochen. Nun denn.
Immer wenn ich an dieses Aufeinandertreffen zurück denke, mutiere ich zur multiplen Persönlichkeit. Die eine grinst diebisch von einem Ohr zum anderen, die andere klatscht sich peinlich berührt die Hand vor die Stirn: Blamier dich einmal täglich, so gut du kannst. –
– Und dann lach darüber
! So oder ähnlich könnte auch eine Erhöhe dein Selbstwertgefühl Übung eines Persönlichkeitstrainings lauten. Und es soll ja tatsächlich Persönlichkeitstrainer geben, die ihre Teilnehmer zu genau dieser Aufgabe herausfordern und das nicht etwa nur einmal!

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Ich bin mir nicht sicher doch! bin ich, ob ich ein gehorsamer Mitspieler wäre, von daher mache ich um solche Seminare lieber einen großen Bogen. Mit den Fettnäpfchen gestaltet sich das schon schwieriger. Die schicken keine Einladungen und vereinbaren auch keine Termine. Sie sind einfach irgendwann da, immer mitten im Weg – voll zum neidappe, wie es hier so schön heißt – und der Eintritt ist kostenfrei. Gesichtsentgleisungen gibt es sogar noch gratis obendrauf. Wobei ich ja vermute, dass DAS der ideale Moment zum Lachen wäre. Nur entweder verpasse ich ihn, weil ich noch schwer damit beschäftigt bin, in möglichst wenig Zeit möglichst viel Fett wieder in den Napf zu schaufeln, oder aber ich trau mich nicht, weil ansonsten Gefahr für Leib und Seele bestehen könnte. Mit Risiken und Nebenwirkungen muss ich mich zum Glück zwar eher selten befassen, die Anschaffung einer kleinen Schaufel (am besten mit lebenslanger Nutzungsgarantie) habe ich dagegen schon öfter in Erwägung gezogen. Wie vor ein paar Jahren, als wir noch in diesem entzückenden kleinen Nest, irgendwo im Nirgendwo, mit mehr Kühen als Zweibeinern und den Alfons-en wohnten.

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Obig benannte Lieblingsnachbarin wollte während eines unserer häufigen … fixen … Gespräche zwischen Tür und Angel, deren Dauer manche Menschen nutzen, um in der selben Zeit eine Hochzeit zu planen, einen Kurztrip um den Erdball zu machen oder auch einen siebenhundertseitigen Bestseller-Roman zu schreiben, meine Meinung zur Dorfwiesentanne, die sich ziemlich mittig zwischen unseren vis a vis gelegenen Häusern befand, einholen. Diese Tanne wurde nach Tradition des Dorfes alljährlich zum Fest herausgeputzt und hatte zum seinerzeit stattfindenden Advent erstmalig eine Dekoration erfahren, die offensichtlich die dörfliche Meinung spaltete. Was tagsüber wie ein ganz normaler, schlicht mit Kugeln und Lichterkette geschmückter Weihnachtsbaum daherkam, entpuppte sich des nachts als, heimlich aus einer hippen New Yorker Kunstgalerie verschlepptes, futuristisch anmutendes Designobjekt.

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Und dies schien sich mit der örtlichen Tradition eines festlich aussehenden Weihnachtsbaumes partout nicht vereinbaren zu lassen. Ist das Kunst oder … NÄ! Weg! Nun, hörte ich mich sagen, ich finde den Baum eigentlich schön. Aber hast du die Krücke gesehen, die dieses Jahr auf dem Rathausplatz steht? DIE ist ja wohl echt ein Witz! Und mit Setzen meines nachdrücklichen Ausrufezeichens kam schlagartig die Erinnerung an eine weitere dörfliche Tradition daher – in trauter Zweisamkeit mit akuter Schnappatmung: Die Krücke Weihnachtstanne vom Rathausplatz stammte jedes Jahr aus dem Garten eben dieser Lieblingsnachbarin …

Es war übrigens unser letztes Weihnachtsfest in diesem Ort. Was aber nichts mit meinem kommunikativen Desaster zu tun hatte. Ehrlich. Das habe ich unbeschadet überstanden. Und die Nachbarin trug es ihrerseits mit Fassung. Wir reden auch heute noch miteinander. Nicht mehr ganz so lange, Telefone machen ja nach ein paar Stunden so unangenehm heiße Ohren, aber immer noch gerne.  Ich habe … so fiel es mir beim Schreiben auf … in all den Jahren aber nie gefragt, welcher Dorfbewohner damals für das Leuchtspektakel verantwortlich zeichnete und ob er jemals wieder Hand an den Baum legen durfte. Ist aber irgendwie auch egal. Für dieses eine Weihnachten hat die Dorfwiesentanne gerockt. Good Job.

In diesem Sinne:

Rockin around the Christmas Tree

Startet gut in die neue Woche und immer schön den Fettnäpfchen ausweichen.

Britta

 

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