Dreizehnter Dezember

Morgenb1

Früher …

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gab es Geschenke ja angeblich nur, wenn man artig war. Vorzugsweise das ganze Jahr, aber scheinbar reichten auch die letzten paar Wochen vor Weihnachten. Zumindest wurde spätestens mit Einläuten der Adventszeit von elterlicher Seite permanent darauf hingewiesen, dass wenn dieses oder jenes nicht getan oder unterlassen würde, der Weihnachtsmann nicht käme. Nun, ich kann zwar von mir sagen, dass ich ein kluges Kind war, aber das mit dem Bravsein war nicht ganz so meine Stärke. Mein Wille kollidierte Zeit meiner Kindheit und vor allem Jugend mit dem meiner Mutter, sukzessive Vaterfigur, sofern einer zugegen war. Mal abgesehen davon, dass das furchtbar stressig war und mir des öfteren einen verklopften Hintern einbrachte, hielt es den Weihnachtsmannvertreter nicht davon ab, auch bei mir vorbeizuschauen.

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Vielleicht bestand ja aber die Strafe auch in dem, WAS er mir mitbrachte? So genau weiß ich das nicht, die Vermutung lag aber so manches Jahr nahe. Die besten Chancen auf richtige Geschenke … so mit Überraschungs-, Begeisterungs-, Staun- und Spaßfaktor … bestanden allerhöchstens dann, wenn meine Geschwister und ich nichts Notwendiges benötigten. Bei drei Kindern sank diese Chance allerdings rapide gen Null. Irgendeiner brauchte immer irgendetwas. Pech für die Kuh Elsa anderen beiden. Denn bei uns galt die Devise Was einer braucht, kann den anderen nicht schaden. Ich erinnere mich an ein Jahr – wenn ich da nicht durch meine Schwester, die ihr Schnüffel-Gen rechtzeitig und erfolgreich vor geschenketrächtigen Events aktivierte, vorgewarnt gewesen wäre, ich hätte all meiner Mutters erzieherischen Mühen zum Trotz die Contenance verloren. Ohne wenn und aber. Seinerzeit brauchten meine jüngere Schwester und ich neue Schulranzen, und weil wir beim Haushaltsvorstand diesbezüglich auf taube Ohren stießen, wünschten wir sie uns schließlich zu Weihnachten. Sehnlichst. In der fünften bzw. sechsten Klasse war so ein leuchtendrotes Einschulungsüberbleibsel einfach ein absolutes Unding. Unsere werte Frau Mutter befand die Ranzen jedoch nach wie vor als völlig zureichend, was zu seltener schwesterlicher Eintracht inklusive diverser ausgiebiger Lästerattacken gegen die mütterliche antiqierte Meinung führte, in deren Folge wir ziemlich penetrant mit unserem Wunsch aufbegehrten.

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Der sollte uns dann auch tatsächlich gewährt werden, wie das Schwesterherz schließlich herausfand. Nun bin ich zwar ziemlich neugierig wißbegierig, schnüffeln entspricht aber nicht meinem Naturell. Deswegen kostete es mich auch einige Überwindung, ihrer Empfehlung nachzukommen und unbedingt zu gucken. Oh lieber Himmel! Schockschwere Not! Ich bin selten um ein Wort verlegen, aber DAS machte selbst mich sprachlos. Uns standen harte Jahre bevor. Denn eines war klar: Was uns in wenigen Tagen auf dem Gabentisch präsentiert werden sollte (genau so ein Ranzen):

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würde uns bis an das Ende unserer Schulzeit terrorisieren begleiten.  Bis dahin galt es die Zeit zu nutzen, mich von meinem Schock zu erholen, um am Weihnachtsabend ein liebreizendes Lächeln aufzusetzen … und mich brav zu bedanken.
Es gab aber auch mindestens ein Weihnachten mit Überraschungseffekt. Begeisterung und große Freude im Schlepptau.
Handarbeitstechnische Fertigkeiten waren damals von unschätzbarem Wert, wenn es um Mode ging. Zu sagen, dass DDR-Bekleidung schlecht gewesen wäre, wäre übertrieben. Sie war … praktikabel. Schön oder gar modern ging an der Produktion meistens vorbei. Wohl dem, der die Möglichkeit hatte, in sogenannten Boutiquen die für DDR-Einkommen abstrusen Preise zahlen oder in Inter-Shops einkaufen zu können. Wir konnten beides nicht. Dafür konnte unsere Mutter häkeln, nähen, stricken. Und zwar so richtig richtig gut. Leider machte ihre Einfallslosigkeit ihr Pragmatismus dieses Talent in fast allen Fällen wieder zunichte. Aber manchmal geschah es tatsächlich, dass sie wahre Schätze hervor und uns zum Staunen brachte.

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So wie diesen Pullover ↓, der seinerzeit in Schnitt, Farbe UND Muster hochmodern war. Und kuschelig noch obendrein. Was habe ich ihn geliebt. Und getragen. Die erste Zeit quasi ständig, solange ein unfreiwilliger Hitzetod halbwegs vermeidbar war und natürlich nur von zwingend notwendigen Waschvorgängen unterbochen. Später immer noch mit schöner Regelmäßigkeit, bis er nach etlichen Jahren so lumpig aussah, dass ich mich schweren Herzens von ihm getrennt habe. Modern war er da schon lange nicht mehr. Aber bei Lieblingsstücken spielt das bekanntlich keine zu große Rolle. Und erst recht nicht, wenn sie so unverhofft und selten sind und zudem einen wahren Glücksmoment in sich tragen.

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Ich kann nicht mit Bestimmtheit sagen, dass ich bei meiner eigenen Nachkommenschaft mit der Wahl der Geschenke immer richtig gelegen habe. Drei Ableger und inzwischen sechsundzwanzig  Weihnachten … da ist schon so manch ein Fehlgriff wahrscheinlich. Spontan fällt mir allerdings kein familiengeschichtlicher Aufschrei ein, von daher kann er nicht zu desaströs gewesen sein. Zumindest hoffe ich, dass keiner meiner Abkömmlinge seinen Kindern eines Tages von einem gruseligen Weihnachtsgeschenk berichten wird. Ich glaube, ich werde diese Frage an den Feiertagen mal auf den Tisch packen. Als Garnitur zum Kartoffelsalat. Statt der Würstchen. Wer weiß, was wir da für Erinnerungen zusammen tragen. Ich hab so das Gefühl, das wird ein lustiges Unterfangen, auch ohne vorangegangene himmelschreiende Geschenkeverfehlungen. Und das wäre doch ganz im Sinne der Zeit:

Fröhliche Weihnachten!

Für heute wünsche ich uns allen einen beschwingten dreizehnten Dezember.

 

Britta

 

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