Vierzehnter Dezember

Morgenb1

Wie ist das heutzutage – werden immer noch Gedichte aufgesagt und Lieder gesungen – für den Weihnachtsmann? Und wieso eigentlich? Ist das das Pendant zur amerikanischen Milk-and-Cookie-Dankes-Version? Die ich übrigens viel schöner finde. Kinder mögen Milch und Kekse. Die meisten zumindest, denke ich. Und dass der Weihnachtsmann das ebenfalls mag, erscheint ihnen logisch. Mir auch. Aber eher die wenigsten mögen vorsprechen und -singen. Weiß ich aus meiner Zeit als Erzieherin … und Mutter. Ich meine, es ist ein wenig schizophren, in einer Zeit, die wir uns in unseren schönsten Träumen als zufrieden, harmonisch, liebevoll … ausmalen, Kinder etwas tun zu lassen, was sie nicht mögen. Da ist das hauseigene Weihnachts-Theater vorprogrammiert. Hollywoodreif. Mit Anwartschaft auf den Oscar. In allen Kategorien.

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Miteinander füreinander singen – das klappt schon eher. Einfach ein Weihnachtslied anstimmen. Die Wahrscheinlichkeit, dass die Nachkommenschaft einstimmt, ist mehr als wahrscheinlich. Und dann kann es sein, dass plötzlich wie selbstverständlich das komplette Repertoire an bekannten Weihnachtsliedern runtergedudelt wird. (Klappt übrigens auch zu jeder anderen Zeit im Jahr.) Und eventuell gibt – vor lauter besungener Weihnachtsfreude – eines der Kinder ganz unerwartet zur Abwechslung ein Gedicht zum Besten. Es ist schließlich ungeschriebenes Gesetz, dass Nachwüchsige einfach mal so ihre unerschütterliche Meinung ändern.

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Eines der, wie ich finde, schönsten (Kinder-) Weihnachtsgedichte war seinerzeit das Lieblingsgedicht der Lieblingstochter:

Die Weihnachtsmaus

Die Weihnachtsmaus ist sonderbar
(sogar für die Gelehrten),
denn einmal nur im ganzen Jahr
entdeckt man ihre Fährten.

Mit Fallen und mit Rattengift
kann man die Maus nicht fangen.
Sie ist, was diesen Punkt betrifft,
noch nie ins Garn gegangen.

Das ganze Jahr macht diese Maus
den Menschen keine Plage.
Doch plötzlich aus dem Loch heraus
kriecht sie am Weihnachtstage.

Zum Beispiel war vom Festgebäck,
das Mutter gut verborgen,
mit einem mal das Beste weg
am ersten Weihnachtsmorgen.

Da sagte jeder rundheraus:
Ich hab‘ es nicht genommen!
Es war bestimmt die Weihnachtsmaus,
die über Nacht gekommen.

Ein andres Mal verschwand sogar
das Marzipan von Peter.
Was seltsam und erstaunlich war.
Denn niemand fand es später.

Der Christian rief rundheraus:
Ich hab‘ es nicht genommen!
Es war bestimmt die Weihnachtsmaus,
die über Nacht gekommen!

Ein drittes Mal verschwand vom Baum,
an dem die Kugeln hingen,
ein Weihnachtsmann aus Eierschaum
nebst andren leckren Dingen.

Die Nelly sagte rundheraus:
Ich hab‘ es nicht genommen!
Es war bestimmt die Weihnachtsmaus,
die über Nacht gekommen!

Und Ernst und Hans und der Papa,
die riefen: welche Plage!
Die böse Maus ist wieder da
und just am Feiertage!

Nur Mutter sprach kein Klagewort.
Sie sagte unumwunden:
Sind erst die Süßigkeiten fort,
ist auch die Maus verschwunden!

Und wirklich wahr: Die Maus blieb weg,
sobald der Baum geleert war,
sobald das letzte Festgebäck
gegessen und verzehrt war.

Sagt jemand nun, bei ihm zu Haus,
– bei Fränzchen oder Lieschen –
da gäb es keine Weihnachtsmaus,
dann zweifle ich ein bißchen!

Doch sag ich nichts, was jemand kränkt!
Das könnte euch so passen!
Was man von Weihnachtsmäusen denkt,
bleibt jedem überlassen.
(James Krüss)

Wer kennt solche Weihnachtsmäuse nicht? Wir hatten über viele Jahre sogar nicht nur eine Weihnachtsmaus, sondern eine Ganzjahresmaus. Unersättlich. Wenn sie alles auffindbare Süße … und sie hat IMMER ALLES gefunden … vernichtet hatte, zeigte sich das wiederkehrend an meinen verschwundenen Schokoladen- und Dekor-Backzutaten. So mancher Kuchen und Keks blieb da sonntags ungebacken. Was der Maus so einigen familiären Unbill einbrachte. Sie jedoch absolut nicht davon abhielt ihr Unwesen weiterzutreiben. Bis sie Gottseidank eines Tages auszog.

Maus

Hin und wieder kommt sie zu Besuch, natürlich auch an Weihnachten. Und obwohl sie immer noch sehr gerne Süßes futtert, beschränkt sie sich inzwischen meistens auf die erlaubten offen zugänglichen Süßigkeiten.

Apropos. Besuch … an Weihnachten ist ja das Beste überhaupt. Manchmal auch zuckersüß, ganz ohne Schokolade. So wie Elmo hier. Obwohl ich nicht besonders viel von ihrer Unterhaltung verstehe, zaubern mir die beiden ein Lächeln ins Gesicht. Das Herz spricht eine universelle Sprache …

 

Ich wünsche Euch einen ganz

Wunder-vollen Freitag.

 

Britta

 

 

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