Fünfzehnter Dezember

Morgenb1

Ich liebe so ziemlich alles, was zu Weihnachten gehört. Auch Weihnachtsfilme. Und solche, die im Winter spielen. Wenn denn Schnee darin vorkommt. Denn der Winter ist bekanntermaßen deutlich länger als die Weihnachtszeit und auch, wenn wir eher wohldosierte Filmgucker sind, läuft der Fernseher zwischen November und Februar schon etwas häufiger als im Rest des Jahres. Und wenn ich es mir mit Tee und Schokolade auf der Couch kuschelig mache, dann darf Schnee nicht fehlen. Also draußen. Oder, da in unseren Gefilden äußerst selten verfügbar, halt im Film.
Traditionell startet unsere Weihnachtsfilm-Saison mit einem der für mich schönsten Themen-Filme überhaupt. Das Wunder von Manhatten. Was bedeutet, dass sie dieses Jahr noch gar nicht begonnen hat, denn … der Film lief bis dato noch gar nicht. Ööhm … In Anbetracht der Tatsache, dass die Vorweihnachtszeit bei mir Mitte November beginnt und zwar mit Deko, Musik und Filmen, bin ich ja schon ganze vier Wochen zu spät. Das gab es noch nie. … Immerhin steht die Deko, und Musik hatte ich tatsächlich schon im Überfluss, aber die Filme … tztztz …
Also gut – wie dem auch sei, und was ich eigentlich sagen schreiben will: Der Weihnachtsmann ist in gewisser Weise ein Mysterium. Gibt es ihn? Oder gibt es ihn nicht? Als Kind habe ich an ihn geglaubt. Als Mama habe ich die Nachkommenschaft glauben gemacht, dass es ihn gibt. Und es heißt, dass das, woran wir glauben, auch existiert. So weit die Fakten. Und nun? Hier kommt Mister Kringle ins Spiel, dieser nette alte Herr, der sich für eben jenen Weihnachtsmann und damit nicht nur zwei Kaufhaus-Chef-Etagen, sondern letztlich gar die halbe Stadt auf Trab hält. Es stellt sich nämlich die Frage, ob Rentiere fliegen können. Und wenn ja, warum dann nur in der Weihnachtsnacht? Und obendrein: Wie kann der Weihnachtsmann in nur dieser einen Nacht alle Kinder beschenken? Die Antworten sind einfach, indes, man will dem lieben Mann nicht glauben. Wie gut, dass ihm ein sechsjähriges, ziemlich naseweises, aber hochwohlerzogenes Mädchen sowie ein smarter junger Mann, seines Zeichen Nachbar / Freund der weihnachtsungläubigen Mutter / Anwalt zur Seite stehen. Letztlich steht die Stadt beinahe Kopf, während die Lösung sich in einem Ein-Dollar-Schein findet. So einfach. So WUNDERvoll. Ein modernes Märchen. Oder vielleicht doch nicht?
Ich für meinen Teil habe meine Antwort längst gefunden. Das Wunder von Manhatten hat ganz sicher dazu beigetragen. Der Göttergatte muss ihn noch ein paar mal öfter schauen.

Ein ganz entzückender Film mit einem noch entzückenderen Jude Law, einer herrlich durchgeknallten schrägen Cameron Diaz und einem ungewohnt sanften Jack Black trägt den ziemlich blöden einfallslosen Titel Liebe braucht keine Ferien. Okay, der Originaltitel ist auch nicht gerade ein Glanzstück poetischer Kunst. Hat sich dennoch von ungesetzt direkt in die Hitliste der Lieblingsfilme katapultiert. Was bedeutet, dass mir völlig schnuppe ist, dass dieser Film zu Weihnachten spielt – ich gucke ihn das ganze Jahr. Weihnachten ist das Fest der Liebe. Das kann man … oder frau … drehen und wenden, wie man will, es ist so. Und wenn man/frau versucht, der Liebe aus dem Weg zu gehen, kann das komisch werden. Oder chaotisch. Je nachdem. Dass Nächstenliebe wiederum durchaus ein Weg zu sich selbst sein kann, beweist derweil Kate Winslet auf sehr berührende Weise. Aber Arthur, dieser bezaubernde alte Knabe, läuft allen ganz still und heimlich den Rang ab. Fast wortwörtlich. Es ist ein heiteres, kleines Ping-Pong-Spiel zwischen diesem abgelegenen, winzig kleinen verschneiten Cottage ohne Strom und dem Santa-Ana-umföhnten Luxus-Anwesen in L.A., das trotz Happy End unentschieden bleibt. Und obwohl ich es gerne klar und offensichtlich mag, ist es in diesem Fall okay: Wir wissen nie, was das Leben für uns bereit hält. Aber nur, wenn wir es wagen, uns darauf einzulassen, können wir all die schönen Dinge sehen und erleben, die es für uns bereit hält.

Wir alle sind – mehr oder weniger, dennoch definitiv – miteinander verbunden. Jeder Mensch ist (für irgendjemanden) liebenswert ist. Die Tücken und Tiefschläge des Lebens sind oftmals gar nicht das, wofür wir sie halten, sondern lediglich Stolpersteine Richtungsweiser ins Glück. Liebe ist nicht etwa nur eine Sache der Erwachsenen. Wahre Liebe bedeutet manchmal auch loszulassen. Tatsächlich … Liebe erzählt lauter kleine (Weihnachts)Geschichten: romantisch, komisch, skuril, traurig, enttäuschend, berechnend, empathisch, verführerisch, verletzend, hektisch, hoffnungsvoll, beflügelnd – Geschichten wie die Liebe selbst. Sie ist, was wir aus ihr machen. Unendlich viele Facetten, die, wie ein Steinchen ins Wasser geschmissen, Wellen formen, die auseinanderlaufen und dennoch immer wieder ins Große Ganze zurück fließen. So verweben sich schließlich auch die Geschichten im Laufe des Films miteinander, Stück um Stück, wie ein Netz, das sie alle miteinander verbindet, sie hält und trägt und auffängt. Ein Netz … eine Gemeinschaft aus Liebe und Glaube, Empathie und Vertrauen. Wir alle sind Teil dieser Gemeinschaft. Tatsächlich … Liebe ist nicht nur eine sehr gelungene, undramatische Erinnerung daran, er ist eine Liebeserklärung an uns und das Leben. Wir sind, wie wir sind, und es ist gut, wie wir sind. Alles passt immer zueinander. Irgendwie.

An einem Film kommt man zu dieser Zeit nicht vorbei, ob man ihn nun mag oder nicht. Entweder begegnet einem mindestens der Filmtitel oder die dazugehörige Melodie. Ich mag beides. Und auch, wenn dieser Film seit Jahren, wie wohl kein anderer, an den Weihnachtstagen mehrfach ausgestrahlt wird, haben wir ihn auf Plastikplatte, um ihn zu gucken, wann wir wollen. Also ich. Drei Haselnüsse für Aschenbrödel entstand 1973; fast genauso lange kenne ich ihn auch. Er hat mich durch meine gesamte Kindheit begleitet … Jugend … bis heute. Wie oft ich ihn gesehen habe, kann ich nicht mehr zählen, und doch finde ich ihn nach all den Jahren immer noch ganz besonders. Er ist völlig unspektakulär, ohne großes Gedöns und Effekthascherei. Einfach nur ein Märchen. Mit herrlicher Kulisse. Fantastischen Kostümen. Und mit Happy End. Vielleicht macht genau das seinen alljährlich wiederkehrenden Zauber aus. Auf mich wirkt er jedenfalls. Und den Göttergatten krieg ich auch noch rum.

Trickfilme mochte ich als Kind ganz besonders gerne. Mit Puppenspielen hingegen bin ich noch nie warm geworden. Allenfalls Pittiplatsch und Schnatterinchen konnten damals dagegenhalten. Pittiplatsch hat mich mit seiner Naivität zwar regelmäßig in den Wahnsinn getrieben und Schnattchen hat mich mit ihrer Besserwisserei zu sehr an mich selbst erinnert genervt, aber es gab im Kinderfernsehen kaum viel anderes. Leider. Denn so ein Trickfilm an Weihnachten wäre für mich das Höchste gewesen.

Inzwischen gibt es Animationsfilme zuhauf, allerdings flimmern sie bei uns eher so gut wie nie über den Bildschirm. Sehr zum Leidwesen des Göttergatten, der mir immer mal wieder einen unterjubeln will. Entsprechend wird für ihn das Fest zum Fest, wenn etwa Die Hüter des Lichts zum Einsatz kommen, um einerseits den Glauben an den Weihnachtsmann – sehr cool mit Tatoos, Daumenring und russischem Akzent – und Compagnons am Leben zu erhalten und andererseits zu erkennen, dass sie einander brauchen, um die sein zu können, die sie sind, um tun zu können, was sie sind. An mancher Stelle geht es ziemlich rasant zur Sache, aber so ein bisschen Action an Weihnachten darf schon sein. Nicht, dass der Göttergatte vor lauter Seeligduselei wieder mit Spiderman und Consorten ums Eck kommt. Und ganz am Rande: Den Osterhasen gibt’s tatsächlich. Bester Kumpel vom Weihnachtsmann. Jep.

In manchen Jahren überhören wir inmitten des Weihnachtstrubels die Pfeife des wohl berühmtesten Schaffners, doch in den anderen sind wir rechtzeitig zugegen, um uns mit dem Polarexpress auf eine abenteuerliche Reise an den Nordpol zu begeben, an dem bekannterweise der Weihnachtsmann und seine überaus quirligen Wichtel wohnen und werkeln. Kurz vor Aufbruch zur Bescherung geht es dort atemberaubend turbulent zu – keine Zeit, um infrage zustellen, was sein kann oder nicht. Es gilt zu vertrauen, in andere und vor allem sich selbst, um über sich hinaus zu wachsen und Großartiges zu vollbringen. Ich wachse ja schon allein dadurch, dass ich den Film gucke. So viel Trubel und Aufbruchstimmung an Weihnachten … Liebe Güte!
Zu glauben, was wir sehen, ist das Eine. Doch zu glauben … und zu vertrauen, was wir nicht sehen können, ist der Zauber … die Magie … das Wunder, das wir nur in uns selbst erleben können, ganz egal, wohin uns die Reise führt. Im besten Falle aber wenigstens einmal am Nordpol vorbei.

 

In diesem Sinne wünsche ich uns allen ein WUNDERvolles Wochenende.

 

 

Britta

 

One Comment on “Fünfzehnter Dezember

  1. Ich wüsste da noch einen. Haben wir aber schon laaaaaange nicht mehr gesehen…
    „Die Geister die ich rief…“

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