Wenn Eine eine Reise tut * LBM 19 Rückblick #1

Das Tolle daran keine Erwartungen zu haben ist, völlig offen die Dinge oder Ereignisse auf sich zukommen lassen zu können. Nun bin ich zwar in Leipzig aufgewachsen, das Messegelände habe ich allerdings nie zu Gesicht bekommen. Wie auch vieles andere dieser Stadt nicht, denn als ich endlich alt genug war die Flügel aufzuspannen und auf Erkundungstour zu gehen, verfrachteten meine Eltern mich kurzerhand und ungefragt in den Norden der DDR. Umzüge gelten in meiner Familie als Volkssport. Und wir sind gut darin. Allesamt. Seeehr gut … Aber ich schweife ab.

Nachdem die buchbloggende Lieblingstochter letztes Jahr sowohl die Buchmesse in Leipzig als auch Frankfurt absolvierte und so dieses und jenes darüber zu mir durchdrang, schraubte sich ganz vorsichtig, aber dennoch unaufhaltsam, ein kleines verstaubtes Fünkchen Abenteuerlust aus den Tiefen längst vergangener Zeiten bis ganz nach oben, klopfte sich auf seiner langen Reise immer entschlossener den Staub ab, begann zu wachsen und zu glimmen und schließlich gemäß seiner Bestimmung zu sprühen. Vor wilder Entschlossenheit: LBM 2019 – ich bin dabei! Liest sich wie der pathetische Aufruf der Sozialistischen Einheitspartei Deutschlands zum alljährlichen Demonstrationsaufgebot am Tag der Arbeit und klang in meinen eigenen Ohren wie die übergeschnappte fixe Idee einer Midlife-Crisis. So what! Über-den-eigenen-Schatten-springen bleibt eine lebenslange Weitsprungübung. Also einmal richtig Anlauf genommen und los dem Tochterkind ein Doppelzimmer an die Backe g’schwätzt. So weit. So gut.

LBM 2019 Hotel zum weissen Ross Deli

Wochen später: Hast du das Zimmer eigentlich gebucht?Nö. Wieso? Ich dachte, du machst das? Miteinander reden können wir. Halt über alles andere. Exakt vier Wochen vor der Messe funkte die Lieblingstochter völlig aus dem Zusammenhang eines Whatsapp-Chats gerissen: Mum, du musst noch deine Karte für die LBM besorgen. Was auch immer sie zu dieser Aussage bewog, sie stellte gar nicht erst infrage, dass ich eventuell schon eine hätte. Glücklicherweise, denn so planungsliebend ich normalerweise bin und meine Familie damit manchmal an den Rand des Irrsinns treibe, so chaotisch war ich diesmal organisiert. Schlimmer noch, nämlich gar nicht. Immerhin zwei Tage vor Abfahrt kam ich dann doch in die Pötte.

LBM 2019 Messeplan

Des einen Vergnügen ist des anderen Sicherungsleine. Manch gut durchdachte Organisation beruht einfach nur auf absoluter Orientierungslosigkeit.

Orientierungslos schien auch das Navi des töchterlichen Gefährts, das uns einen Tag vor Messe-Beginn in unsere Unterkunft kutschieren sollte, und machte uns damit zum einen nen dicken Strich durch die angedachte entspannte Anfahrt und einen noch viel dickeren durch das vorgesehene Shoppingvergnügen der Lieblingstochter. Mit unfassbarer Treffsicherheit navigierte es uns direkt in einen einstündigen Stau, den wir gezwungenermaßen mit einem Pipi-Boxenstopp auf einem Parkplatz krönen mussten. Für eine kilometerentfernte saubere Raststättentoilette hatten unser beider Blasen kein Verständnis mehr aufbringen wollen. Aber hej, es gibt Schlimmeres. Öffentliche Toiletten in Frankreich. Zum Beispiel. Oder ein unglaublich staugeiles eigensinniges Navigationsgerät. Verkehrsstörung auf der berechneten Route hieß bei diesem: Yeah! Stau! Hinein! Ab Kilometer dreißig vorm Ziel lieferten wir uns ein erbittertes Ringen um die Routenvorherrschaft. Unbeirrbar hielt dieses dusselige Ding auf einen kilometerlangen Stau vor Leipzig zu und weigerte sich schlichtweg, eine Alternative anzubieten. Während wir uns mühsam … Contenance! … von einem Örtchen zum nächsten quer durch die merkwürdig benamste Pampa hangelten, maulte das Navi ständig was von bitte wenden. VERGISS ES!

Hotel Zum weissen Ross Delitzsch

Aber dann – mit weit über zwei Stunden Verspätung: Ankunft. Einchecken. Auspacken. Cappucchino. Durchatmen. Zum Hotel gehört ein nettes kleines griechisches Restaurant, in das ich mich zum nervenstabilisierenden Kaffeetrinken verkrümelte. Die Lieblingstochter entschied sich derweil für ein augenpflegendes Päuschen, bevor wir uns mit ein paar ihrer Bloggerkolleginnen zum Abendessen treffen wollten.

Die Fahrt ins Zentrum der knapp halbstündig entfernten Messestadt gestaltete sich wunderbarerweise völlig problemlos, so dass wir diesmal pünktlich vor Ort ankamen. Die vier Mädels hatten am Nachmittag, im Gegensatz zu uns, ganz offensichtlich erfolgreich den Leipziger Einzelhandel unterstützt und warteten nun freudestrahlend mit Shoppingtüten bepackt vor dem Burger-Grill auf uns. Ein herzliches Hallo samt allgemeiner Vorstellungsrunde – kurz und knackig und ohne zu zögern … Danke Mädels … per du. Auch wenn ich den Altersschnitt unserer kleinen illustren Runde deutlich nach oben katapultierte, hatte ich zu keiner Zeit das Gefühl, fehl am Platze zu sein.

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Wiebi, Sinah, Michèle, Marie, Rika – Danke fürs Bild & ich

Satt und zufrieden sagten wir uns irgendwann umarmend Gute Nacht und Rika ergänzte: Ich mag dich. Hach, da schlug doch mein Buchbloggermuddiherz gleich noch einen Glückshaken. Ich dich auch, Rika.

Voller Vorfreude auf die kommenden Tage hübbelten das Tochterkind und ich dann fix durch unser gefühlt ein-Quadratmeter-Bad direkt ins Bett. Augen zu und süße Träume … Nachtigall, ick hör dir trapsen schnarchen! Mit der Lautstärke eines startenden Jumbojets … mindestens … gab just in diesem Moment der Nebenzimmermensch sein Dasein bekannt. Zweimal die Fingerknöchel energisch gegen die Wand gehauen, erntete ich einen bitterbösen Blick der Lieblingstochter, die zutode erschrocken hochfuhr, während die nachbarliche Nervensäge völlig unbeeindruckt in den Turbo schaltete. Ich bin ja ein ausgeprägt friedliebendes Persönchen, solange meine Mordgelüste nicht geweckt werden, aber manchmal … Ich zählte die Stunden bis sieben Uhr dreißig und hoffte, die Nacht würde sich nicht ewig hinziehen. Tat sie nicht. Punkt 6 Uhr klingelte nebenan der Wecker und riß mich aus meinem, irgendwann doch noch über mich gekommenen, Schlaf. Der Morgen stirbt nie. Der Nachbar vielleicht schon …

Das Frühstück stimmte mich versöhnlich, auch wenn der Kaffee nix taugte. Wenigstens sah er aus wie welcher und genügend war auch davon vorhanden, viel hilft viel. Manchmal. Und dann war es endlich und tatsächlich soweit. Das Wetter war bereit. Ich auch. Und wie! Also Schuhe an, Rucksack auf und … LOS!

Messe Leipzig

Fortsetzung folgt …

 

4 Gedanken zu “Wenn Eine eine Reise tut * LBM 19 Rückblick #1

  1. Wiebi Peters schreibt:

    Was? Schon zu Ende?!
    Das kannst du doch nicht machen. Ich war gerade so im Leseflow. Menno …
    Und gelacht habe ich. Über das Navi, das blöde Ding. Und den Nachbarn. Das Klopfen hättest dir echt sparen können. 😛

    Ich bin gespannt auf die Fortsetzung.

    Die Tochter :*

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    • Barfuß unterm Regenbogen schreibt:

      Ja, man soll immer aufhören, wenn es am Schönsten ist. Also mitten im Flow. 😜😂
      Nej, das hat da grad so gut gepasst und außerdem wollte ich endlich wenigstens den ersten Teil mal online bringen.
      Ich bin auch gespannt. Auf die Fortsetzung. 🤣 Und ob der Nachbar es überlebt hat …

      😘 die Mum

      Gefällt 1 Person

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