Viele Bücher. Und noch mehr Menschen. * LBM 19 Rückblick #2

Vorab: Für den nahtlosen Übergang – Rückblick #1 hier entlang …

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Entspanntes, zeitsparendes und kostenfreies Parken während der Messe ist ein nicht zu unterschätzender Vorteil einer buchbloggenden, akreditierten Lieblingstochter. Auch wenn der Zeitgewinn für den ersten Tag durch die Akreditierungsmaßnahme an sich direkt wieder eliminiert wurde. Da ich eigentlich als normalsterblicher Besucher nicht in das Pressezentrum durfte, ließ ich mir derweil draußen die herrlich warme Frühlingssonne auf die Nase scheinen.

Damit wir anschließend nicht um das ganze Messegelände herum zum Eingang hübbeln mussten, durfte ich als Begleitperson meiner nun hochoffiziellen Presse-Tochter freundlicherweise, aber g’schwind, durch den imposanten Pressebereich schlupfen. Ich hätte das Tempo ja liebend gerne wenigstens ein klitzekleines büschn relativiert und mich ausgiebiger umgesehen, aber das Tochterkind hatte es plötzlich furchtbar eilig auf die Messe zu kommen. Dabei waren wir doch längst da! Das mit dem über-den-TellerBücherrand-gucken müssen wir für nächstes Jahr unbedingt noch üben.

sdr

Die inzwischen bei Großveranstaltungen gewohnte Einlass-Sicherheitskontrolle ließ meine Kinnlade kurz ein wenig absacken: Menschentrauben wie seinerzeit im Konsum (ostdeutscher Einkaufsmarkt, mit kurzem u und Betonung auf o – Konsumm), wenn es Bananen gab. Nach wenigen Minuten waren die krummen Dinger aber schon wieder vergessen, und frohgemut marschierten wir in die Bücher-Hallen.

Als Neuankömmling ist es defintiv ein guter Plan einen Plan zu haben. Pipi-Boxen und Kaffee-Stände … die Reihenfolge ist variabel … sind die ultimativen Notwendigkeiten zur Gewährleistung eines relaxten Messetages. Es ist folglich immer hilfreich zu wissen, wie viele Meter bis zur nächsten Lebensrettungsstation im Falle eines Falles zurück zu legen sind.

LBM 2019 Messeplan

Es gibt ja Menschen, die finden in einem Irrgarten ohne Umwege direkt  zur Mitte. Typ Zielläufer. Ich sag mal so: Ich hab einen von ihnen geheiratet. Aber auch wenn wir ganz dicke miteinander sind, hin und wieder muss ich ihn mal von der Leine lassen bin ich alleine unterwegs und dann ist’s halt doof. Ich bin nämlich mehr so Typ Irrläufer. Deswegen sind bei meinen Solomissionen immer auch alle anderen Was-ist-wo gut für die Hinterhand. Man weiß ja nie. Und ich schon gleich zweimal nicht. Dementsprechend wohnten vorübergehend diverse Messehallenpläne in meinem Handy. Die halfen mir auch tatsächlich in den grundlegendsten Dingen. Sobald ich mich allerdings erst einmal in einer Halle von den Eingängen entfernte, verlor mein innerer Navigator umgehend das Signal, wodurch ich des Öfteren gekonnt die falschen Ecken ansteuerte. Oder – besonders gerne – die falschen Hallenübergänge. Ich will gar nicht wissen, wie viele Kornkreise ich gelaufen bin.

LBM 2019

Die ersten Stunden verbrachten die Lieblingstochter und ich im Duett. Dabei war nicht so ganz klar, wer wen begleitete. Ich wunderte mich nur ziemlich bald, dass Madame wie angestochen mit mir durch die Hallen tobte, kaum dass ich genügend Zeit hatte einen Stand genauer in Augenschein zu nehmen und ich mich schon anfing zu fragen, wozu wir bis Sonntag gebucht hatten. Darüber hinaus tauschte sie ganz offensichtlich ihre gute Laune gegen jeden gelaufenen Meter. Nachdem wir auf dem Freigelände bei schönstem Sonnenschein einen ziemlich muffeligen Imbiss zu uns genommen hatten – und das lag eindeutig nicht am Essen – und auf dem Weg zuück in die Hallen waren, fragte ich Madame auf meine höchst eigene charmante Art, ob es sein könne, dass sie ein wenig angepisst wäre. Jaaa, miteinander reden können wir. Manchmal halt ein büschn spät. Es stellte sich heraus, dass sie mit mir ging, weil sie mich, wenn wir schon gemeinsam unterwegs waren, nicht alleine laufen lassen wollte und ich mit ihr ging, weil ich sie, wenn wir schon gemeinsam unterwegs waren, nicht alleine laufen lassen wollte. Noch Fragen? … Mit einem fetten Grinsen entließen wir uns gegenseitig aus unserer selbstauferlegten Betüdelungspflicht und zogen glücklich in entgegengesetzte Richtungen von dannen.

LBM 2019 Buchhandlung

Jemand fragte mich später, wie viele Bücher ich mir denn so gekauft hätte. Tjaa, es war genau … eins. Und das stand auch schon vorher fest. Also nicht, dass ich nur eins kaufe … spontan geht fast immer, sondern dass ich dieses eine Buch kaufe. Als großer Fan der Sieben-Höfe-Reihe konnte ich es mittlerweile kaum noch erwarten zu erfahren, wie die Geschichte um den kleinen eingeschworenen Haufen liebenswert verrückter Chaoten am Hofe der Nacht weitergeht. Dass das Erscheinungsdatum von Frost und Mondlicht auf den ersten Messetag fiel, war mir also mehr als recht.

Sarah J. Maas Frost und Mondlicht

Im Nachgang betrachtet, habe ich insgesamt tatsächlich erstaunlich wenige Bücher in die Hand genommen. Ehrlich gesagt, war ich von der Fülle der Verlage völlig erschlagen. Es war mir nicht ansatzweise bewusst, dass es so viele gibt. Wo anfangen? Wonach auswählen? Es gab ja auch so viel mehr noch zu sehen als Bücher. Und ich wollte mir möglichst nix entgehen lassen. Also vergnügte ich mich die meiste meiner Messezeit mit Schlendern, Staunen und einfach nur Wirkenlassen. Ich liebe Kleinigkeiten … Details – ich bin die, die im Wald voller Bäume steht und begeistert ruft: Ist das nicht ein schönes Blatt?! Ich mag das Offensichtliche, den ersten Blick, der die Struktur inne hat. Aber noch viel mehr mag ich die zweiten, dritten, vierten Blicke, die der Struktur Leben einhauchen, sie weichzeichnen und mit Schnörkeln versehen.

Von Menschen. Mit Liebe und Hingabe.
Für Menschen. Mit Liebe und Hingabe.

Später am Nachmittag schoben die Lieblingstochter und ich einen spontanen Kurzbesuch ins Stadtzentrum auf den Tagesplan – der dem störrischen Navi zum Opfer gefallene Shoppingausflug wollte nachgeholt werden. Während sich Madame schnurstracks ins Getümmel stürzte, um die Gestaltung ihrer privaten Hogwartsräumlichkeiten voranzutreiben, begab ich mich derweil im gegenüberliegenden Einkaufszentrum auf die Suche nach einer Pipi-Box. Es lag nicht an der mangelnden Beschilderung, dass ich das Stille Örtchen partout nicht finden konnte, wohl aber an der Mehrdeutigkeit der richtungsweisenden Pfeile: Viele Wege führten nach Rom ans Ziel – einer hätte mir gereicht. Als ich nach einer gefühlten Ewigkeit endlich wieder zum Tochterkind zurückgefunden hatte, war sie mit rappelvoller Einkaufstasche bereits auf der Zielgeraden.

... iss, Ian ...

Den Abend ließen wir dann entspannt mit einem leckeren griechischen Essen ausklingen. Schön ins Bett gekuschelt gab’s noch ein paar Buchseiten als Dessert, bis uns viel zu bald die Augen zufielen. Fix noch mal die Ohren gen Nachbarzimmer gespitzt – kein Schnarchen. Alles ruhig. Na dann: Gute Na-ein! Der Nebenzimmermensch begann zu telefonieren. Lautstark. Ich verstand zwar kein Wort, aber dem Tonfall nach gab er Rapport, der Uhrzeit nach seiner Frau. Oh man(n)! Ich schielte g’schwind zur Lieblingstochter – Mist! Ruhe da drüben durch die Wand zu morsen fiel aus. Das Tochterkind hat die Eigenschaft mit dem Zuklappen der Augen ins Traumland zu wechseln. Sie von dort zurück zu holen, hatte mir am Vorabend Mörderblicke eingebracht. Und es gibt Dinge, die tue selbst ich als Mutter kein zweites Mal. So lauschte ich dem endlosen Kauderwelsch, bis meine Müdigkeit sich erbarmte und auf stumm schaltete.

LBM 2019 Messegelände

Der Messefreitag begrüßte uns in Sonnenlaune; getoppt mit einem Cappucchino war dies ein überaus vielversprechender Start in einen neuen Büchertag. Zur Einstimmung besuchten das Tochterkind und ich einen Book Slam, der, soweit ich weiß, der erste seiner Art war. Julia war fürchterlich aufgeregt – vollkommen grundlos, denn ihr Vortrag Warum ich das Bloggen liebe war wirklich, wirklich gut.

Viel Zeit für Social Media habe ich während dieser Tage nicht aufgewendet, aber wenn, dann ist mir vor allem Eines aufgefallen: Die unglaubliche Wiedersehensfreude befreundeter Buchblogger, die sie mit ebensolcher Begeisterung auf ihren Kanälen mit aller Welt teilten. Es live zu erleben war allerdings viel, viel schöner.

Und dann gab es noch die Wiedersehensfreude der anderen, unerwarteten Art. Tags zuvor hatte ich bereits die Abrafaxe entdeckt – Comic-Helden meiner Kindheit, die, wie ich feststellen durfte, immer noch ihren Schabernack treiben.

Und auch den Kinderbuchverlag Berlin gibt es noch. Wunderbarerweise. Er hat nicht nur meine eigenen, sondern auch die ersten Buchschritte meiner gesamten Nachkommenschaft liebevoll und prägend begleitet. Unvergessen sind Zilli, Billi und Willi, Das Rübchen, Alfons Zitterbacke und jede Menge andere Buchhelden. Der Struwwelpeter hingegen, damals allseits beliebter pädagogischer Vorzeigewicht, war jetzt nicht so mein Fall. Die Geschichten unartiger Kinder, denen Daumen verloren gehen, die unter der Mahlzeit begraben vom Stuhl fallen oder gar ertrinkenderweise ins Wasser, als verhungerter Strich enden, bei Sturm davon fliegen oder schlimmer noch mit Minz und Maunz verbrennen, befand ich von jeher als ziemlich zweifelhafte (Kinder)Lektüre. Doch soweit ich mich erinnere, war dies das einzige Buch mit horrenden Geschichtsverläufen. Der Rest – und wir hatten Unmengen von Büchern aus dem Kinderbuchverlag – hatte deutlich mehr Lesevergnügen zu bieten.

Es gab Sparten, die hatte ich, zugegebenermaßen, nicht ansatzweise auf dem Schirm. Auch dass Karl May nicht die berühmten Indianerfilme gedreht hat, sondern lediglich für die Romanvorlagen verantwortlich zeichnete, hatte ich noch nie mit einem Wort bedacht. Was aber nicht bedeutet, dass Winnetou mir unbekannt wäre – wer kennt ihn schließlich nicht, diesen gutaussehenden jungen Franzosen namens Pierre …

Karl May

Fun Fact: In den Hallen war es aufgrund des Stimmengewirrs immer furchtbar laut. Die Lieblingstochter kam mir zwischendrin zu einem unserer Das-machen-wir-gemeinsam-Treffen entgegen uud erzählte voller Begeisterung, wen sie gerade getroffen habe. Ich, leicht verwirrt: Du hast Karl May gesehen?! Sie, noch verständnisloser guckend: KAY MAYER!

Rose Snow ist ein herrlich prosaischer Name und vereint das Autorinnen-Duo Ulrike Mayrhofer und Carmen Schmit, die zu einer Lesung von Ein Augenblick für immer. Das erste Buch der Lügenwahrheit eingeladen hatten. Innerhalb weniger Sätze hatten sie die Lieblingstochter und mich gleichermaßen in den Bann gezogen: Müssen wir haben. Normalerweise mag ich es nicht, wenn mir vorgelesen wird, aber in diesem Falle hätte ich durchaus noch eine Weile länger zuhören mögen. Es blieb allerdings bei einem sehr kurzen Auszug. Kürzer als kurz. Anschließend verlegten sich die Autorinnen auf Smaltalk, der leider wenig mit dem Buch und noch weniger mit dem eingangs verkündeten Einblick in die Zusammenarbeit des Doppels zu tun hatte. Sehr schade. Denn das wäre sicher deutlich interessanter gewesen als die in die Runde geworfenen merkwürdigen Fragen an die Zuhörer. Ehrlich, es interessierte mich einfach nicht, ob und wer schon mal irgendwo im Urlaub war. Selbst, wenn es sich um einen Bezugsort aus dem Buch handelte. Mein Interesse ist da ziemlich kompromislos und verabschiedete sich prompt.

LBM Lesung Rose Snow Ein Augenblick für immer. Das erste Buch der Lügenwahrheit

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Schau doch mal bei Coppenrath vorbei. Mit dieser Empfehlung hat die Lieblingstochter Pluspunkte gesammelt. Und Coppenrath Euros. Und weil ich grad so schön dabei war, der Stand um die Ecke gleich mit. Ich liebe hübsche Dinge. Nur gucken. Nicht anfassen mitnehmen, fällt mir da nicht immer leicht. Vor allem nicht, wenn die Auslagen groß sind. Je länger meine Verweildauer, desto schwindender mein Vorsatz. Man gönnt sich ja sonst nix, ist da immer so ein büschn in die eigene Tasche gelogen.

LBM 2019 Notizbücher

Schließlich ging auch dieser wunderschöne Tag zuende. Das Tochterkind und ich giggelten und gackerten durch den Abend – der Nebenzimmermensch hätte sein blaues Wunder erlebt seine helle Freude gehabt. Ganz offensichtlich war er aber abgereist, was ich mit einem inneren Seufzer genüßlich zur Kenntnis nahm: Schlaf, Kindchen Muddi, schlaf.

LBM 2019 Messegelände

Samstag. Tag drei. Herrlich. Und noch immer schönstes Wetter. Lediglich die Lieblingstochter bewegte sich leicht seltsam durch den Morgen. Da nicht immer einfach zu bestimmen ist, woher ihr Wind weht, ist es besser abzuwarten und Tee Kaffee zu trinken, bevor sie bei voreiliger Nachfrage einen Sturm über einen hereinbrechen lässt. Später am Tag vergaß ich zwar nachzuhaken, doch dank ihres Messerückblicks bin ich inzwischen nachträglich im Bilde. Jaa, manchmal steht man vor lauter Aufregung einfach neben sich …

Während sich Madame gleich zu Beginn schnurstracks zu ihrem ganz besonderen und heiß ersehnten Termin verabschiedete, beäugte ich erst einmal ein wenig missmutig das Besuchergeschehen. Zweiundachtzigtausend, gut auf das Gelände verteilte, Menschen in den beiden letzten Tagen – ich hatte den Eindruck, diese Menge war allein schon an diesem Morgen anwesend. Es knubbelte sich überall, nicht zuletzt an den markanten Treffpunkten wie Pipi-Boxen und Essenausgaben. Es war kein Drama, aber das reinste Vergnügen war es auch nicht.

LBM 2019 Besucher

Nun, irgendwie würde das schon funktionieren, dachte ich mir und schlängelte mich wagemutig durch das erhöhte Verkehrsaufkommen Richtung Halle Eins zur Manga Comic Con. Was für ein dusseliger Gedanke. Noch mehr Menschen! Und ganz viel komisches unbekanntes Zeugs. Immerhin den gelben Flauschi konnte ich benennen. Pikachu kennt aber ohnehin vermutlich jeder. Seine bunten Freunde in Dosen kenn‘ ich auch. Die sind aus dem Clan der Mons. Entweder mit Poke- oder Digi-Zusatz. Das weiß ich nun schon wieder nicht so genau …

Faszinierenderweise stand ich plötzlich – völlig perplex – inmitten einer Oase der Stille. Wie in einer watteumhüllten Luftblase. Mit ganz viel Platz zum (Lärm)Abschalten. Wenn da nicht dieses quietschvergnügte Party-Grün gewesen wäre. Leudde … wer kann denn bittschön bei diesem Pixelkrach entspannen?!

Also Hallenwechsel von Eins zu zwei. So der Plan. Der unterwegs irgendwie schief lief. Aus dem Übergang raus staunte ich erst mal nicht schlecht: Wo sind denn auf einmal alle hin? Es herrschte ja beinahe gähnende Leere! Meiner kurzen Verwirrung folgte umgehend die Ernüchterung: Ich war bei den literarischen Artefakten & jungen Wilden gelandet. Ganz offensichtlich ein Bereich für Kenner. Ich gehöre nicht dazu.
Alten Büchern haftet ja immer so ein eigenartiger verstaubter Grufty-Style an, als wären es mumifizierte Buchstaben. Und mit Mumien hab ich’s nicht so. Ich hege da jedes Mal so meine Zweifel, ob der Schein nicht trügt … Und Kunst, jaa – manchmal hilft es ja den Kopf in Schieflage zu bringen. Für den neuen Blickwinkel und so. Aber wenn sich dann trotzdem noch die Frage Ist das Kunst oder kann das weg? ins Hirn schraubt, dann weiß ich auch nicht weiter. Die Ausstellungsstücke der Kunst- und Medienstudenten bescherten mir jedenfalls beinahe einen steifen Nacken.

Diese Halle war einfach nicht für mich gemacht. Doch selbst in ihr gab es etwas zu entdecken. Ein unscheinbares mausgraues Quadrat.  Was auch immer drin steht, allein die Vorstellung des Begreifenwollens dieser akkuraten Hiroglyphen verursacht mir Kopfkreisel. Und dann diese Bilder. Manchmal begeistert mich Schlichtheit am allermeisten.

LBM 2019 Antiquariat

Und auch wenn das Hirn danach schreit, ist es nicht immer wichtig, alles zu verstehen. Mit dem Kopf. (Das Herz versteht sowieso.) Denn was zum Kuckuck ist eine Twitter-Ausstellung? Ich gestehe, ich zwitscher nicht mit auf dieser Textzeichen-Plattform. Vielleicht ist mir deshalb auch ihr Sinn nicht so ganz klar. Fakt ist, die haben einen Vogel. Unbestritten. Unbestritten ist auch die Wortgewalt von Bildern. Und obwohl Twitter sich schon ein gutes Stück von seinem Ursprung entfernt hat – 280 Zeichen ergeben allein rein mathematisch keine tausend Worte. Von daher hat Sui Ishida sein Mitteilungsbedürfnis doch ziemlich gut gelöst.

So eine Messe ist, meiner Meinung nach, die einfachste und beste Möglichkeit, über den eigenen Bücherrand hinauszugucken, wenn teilweise auch nur flüchtig und mit hochgezogener Augenbraue.

Ein sehr interessantes, längeres Gespräch ergab sich ausgerechnet dort, wo ich es am wenigsten vermutet hätte.  Ich amüsierte mich gerade über diese ↑ ungewöhnliche Dreiecks-Platzierung von Genres, die unterschiedlicher nicht sein könnten, als ich über einen Buchtitel stolperte. Wie unrecht hatte Marx wirklich? Nicht, dass ich dieser Frage nachgehen wollte, aber ein kurzer gedanklicher Ausflug in meine Studienzeit, geprägt vom kommunistischen Gedankengut Marx/Engels/Lenins, animierte einen Verlagsmitarbeiter auf mich zuzugehen: Wer Löcher in die Luft starrt, benötigt ganz offensichtlich Hilfe. Wir fachsimpelten eine Weile über den Un/Sinn geschichtspolitischer Verläufe und den Irr-Sinn  der gegenwärtigen Welt. Die Macht der Worte ist inzwischen hinlänglich bekannt und bewiesen. Die Macht einiger Weniger, die die Mainstream-Medien an Strippen führen, ebenso. Den Ursprung des Begriffes Verschwörungstheorie zu verfolgen ist ratsam für jeden, der sich seine eigene Meinung erhalten will. Und zu wissen, was wirklich los ist, bietet mit großer Wahrscheinlichkeit die einzige lebenswerte Chance, die wir als Menschheit überhaupt haben.

Ketzerbriefe

Wie ich anfangs schon schrieb: Das Tolle daran keine Erwartungen zu haben ist, völlig offen die Dinge oder Ereignisse auf sich zukommen lassen zu können. Wer hätte denn gedacht, dass Herr Trump mir auf der Messe begegnet und jetzt gar Erwähnung auf meinem Blog findet? Ich nicht. Keine Erwartungen zu haben birgt das größte Potenzial an Möglichkeiten. #mywords

Das hätte sogar das Schlusswort sein können. Womit ich allerdings einen wesentlichen und vor allem unübersehbaren Aspekt der Buchmessekultur unterschlagen würde. Und damit würde ich ihnen so Unrecht tun. Sie machten die Messetage zu einem Spektakel sondergleichen – regenbogenbunt und lauter, als sie ohnehin schon waren. Sie waren nicht nur eine Randnotiz, sie waren allgegenwärtig. Sozusagen zum Leben erweckte Buchseiten. Mit unglaublich viel Liebe zum Detail und jeder Menge Stolz präsentierten sie ihre Buch- und Film-Helden. Mit noch mehr Geduld und Ausdauer posierten sie für unzählige Fotos. Und dazwischen feierten sie ihre ganz eigene Gute-Laune-Party: Willkommen in der Welt der Cosplayer!

cof

Fun Fact: Während ich das turbulente Treiben der verschiedenen Grüppchen beobachtete, zog sich direkt neben mir ein Miniatur-Schneewittchen hochkonzentriert die Schuhe an. Im Moment, da sie damit fertig war, schaute ich zu ihr herunter. Sie stellte sich aufrecht hin, sah mich unumwunden an und meinte dann hoheitsvoll: Du DARFST jetzt ein Bild von mir machen!

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Die meisten der dargestellten Figuren kannte ich nur vage oder gar nicht. Von daher konnte ich nicht einschätzen, wie gut sie ihrem Original entsprachen. Wie verblüffend die Ähnlichkeit aber sein kann, machte beispielsweise Doctor Strange deutlich. Mein unangefochtener Favorit kennt sich zwar ebenfalls bestens mit Magie aus, entspringt jedoch einer ganz anderen Feder. Er lief so gekonnt an mir vorbei, dass ich erst stutzte und dann mit einer Kehrtwende wenig ladylike hinterher flitzte. Der Traum aller Schwiegermütter. Haaaaahh …

Am frühen Nachmittag hatte es den Anschein, die Hallen würden jeden Moment aus den Nähten platzen. Und immer noch strömten Besucher durch die Eingänge. Der helle Wahnsinn. Also kurzes Update mit der Lieblingstochter. Sie hatte zwischenzeitlich alle Termine und sonstigen Vorhaben erfolgreich abgehakt. Ich wiederum hatte in den vergangenen Tagen so viel gesehen, dass meine Festplatte überzulaufen drohte, und meine Füße begannen bereits zu qualmen. Ein guter Zeitpunkt heim zu fahren. Noch einmal wagten wir uns in die Menge und kämpften uns zu den Mädels durch, um uns zu verabschieden.

cof

Ein letztes Mal um die Hallen gewuselt, ab ins Hotel, Koffer auf und alles rein geschmissen … Kannst du das überhaupt?, frotzelte das Tochterkind im Vorfeld. Na und ob! … Rechnung beglichen und weg waren wir. Der kürzeste Checkout ever.

Bye bye Leipzig. Schön war es. Ach was … Grandios! Drei Tage in einer wunderherrlichen Welt voller Magie und Farben, voller Geschichten und Begegnungen, voller Freude und Liebe. Eine Welt, deren Tore wir aus den Angeln heben sollten, um sie gemeinsam weiter als bisher in unser aller Leben hinein zu tragen.

 

Kindern erzählt man Geschichten zum Einschlafen – Erwachsenen, damit sie aufwachen.

– Jorge Bucay

 

Britta

 


Vier Tage LBM – viele aufregende, spannende, lustige, … Erlebnisse. Eine kunterbunte Mischung Messe-Erinnerungen:

Leipziger Buchmesse 2019 – Ein persönlichere Messerückblick – Book Walk
4 Tage voller Liebe, Bücher und Poetry Slam – The Book Dynasty
Bericht LBM 2019 – Donnerstag & Freitag – Trallafittibooks
Bericht LBM 2019 – Samstag & Sonntag – Trallfittibooks
Babsis Leipziger Buchmesse 2019 – BlueSiren
Nach 6 Jahren Bloggen: ENDLICH meine erste Leipziger Buchmesse – Romantic Bookfan
Die Leipziger Buchesse 2019 – Meet Bookish People oder auch, es war so anders als letztes Jahr – Buchpfote
Buchperle wenn Leipziger Buchmesse 2019 – Buchperlenblog
Leipziger Buchmesse 2019 – Annetts Bücherwelt
[LBM 2019] Sowas wie das erste Mal – Lieschen liest
Rückblick auf die buchmesse:Blogger Sessions 19 – Pergamentfalter
Leipziger Buchmesse 2019 – Noras Bücherkiste
LBM 19 | Mein kleiner Messebericht – Letterheart
[LBM] Messebericht – Leipziger Buchmesse 2019 – Prettytigers Bücherregal
Wo Büchermenschen aufeinandertreffen | Messerückblick – Stars, Stripes and Books

 

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